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22. Februar 2012: Aschermittwoch: Super-Stimmung

Dass die Sozialdemokraten im Eichsfeld einmal so stark auftrumpfen würden, das hätten sie vor einigen Jahren wohl selbst nicht gedacht. Schon im vergangenen Jahr strahlten die Redner beim Politischen Aschermittwoch so viel Zuversicht aus, die Lust auf mehr macht. Hauptredner 2012 in Nesselröden: Stephan Weil, SPD-Vorsitzender in Niedersachsen, Oberbürgermeister in Hannover und Spitzenkandidat zur Landtagswahl am 20. Januar 2013.

Wer beim Eichfelder Aschermittwoch in die Bütt steigt, hält keine Bußpredigt. Das hat vor einem Jahr schon Bernhard Reuter unter Beweis gestellt. Und nötig hätte das wohl nur die CDU, die in Gieboldehausen den Bürgermeisterposten im Herbst 2011 an den Sozialdemokraten Otmar Pfeifenbrink abgeben musste. Beim Aschermittwoch vor einem Jahr war Hauptredner Reuter Kandidat für den Göttinger Landrat, jetzt ist er im angestrebten Amt angekommen. Wen wundert es, dass alle Redner, egal ob Duderstadts Ortsvereinsvorsitzender Matthias Schenke oder die angehende Landtagskandidatin Doris Glahn, dem diesjährigen Hauptredner Stephan Weil die gleiche Entwicklung vom Kandidaten zum Amtsinhaber zutrauen.
Der gab allerdings schelmisch grinsend angehenden Spitzenpolitikern einen „guten Rat“. Der lautet: „Hütet Euch vor dem Freitag vor Aschmittwoch!“ Heuer trat Wulff zurück, vor einem Jahr der in Ungnade gefallene Plagiator aus Franken. Glänzend kamen auch die Hinweis auf Wulffs früheren Pressesprecher an. Während die Landesregierung im Landtag erklärte, dass mit Wulff und seinem Sprecher Glaesecker alias Schnulli alles in bester Ordnung sei, durchsuchte die Staatsanwaltschaft zeitgleich die Wohnung von „Oberschnulli“, erboste sich Weil. Auch am Verhalten von CDU-Leuten unmittelbar nach Wulffs Rücktritt lässt Weil kein gutes Haar: „Das war kalt wie eine Hundeschnauze.“ Dass im „Club 13“ exklusiver Zugang zu Kabinettsmitgliedern erkauft wird und der Besuch mancher Club-Sitzungen besser sein soll als der mancher Kabinettssitzung, klingt in Weils Rede als Mahnung für die Zeit nach Wulff- und nach McAllister, denn unter solchen Methoden leide die Glaubwürdigkeit der gesamten Politik.
Und die Seriösität und Kalkulierbarkeit („Das erste, was die Menschen wollen, ist eine arbeitsfähige Regierung.“) ist eines von Weils Hauptthemen. Kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg machen CDU und FDP die energiepolitische Totalwende, sie lassen die Kommunen im Stich und sie schaffen mit dem Betreuungsgeld eine Absurdität: „Ein Bürgermeister, der Geld dafür zahlt, wenn die Leute nicht ins Freibad gehen, würde für verrückt erklärt, aber beim Kindergarten hält die CDU diese bildungs- und finanzpolitische Absurdität für ganz normal.“

Aschermittwoch
Die Erfolgsmannschaft auf dem Eichsfelder SPD-Aschermittwoch: Klaus Wettig, Stephan Weil, Doris Glahn, Matthias Schenke und Bernhard Reuter (von links).

Dem überzeugten Kommunalpolitiker Weil, der auch Bundesvorsitzender der SGK ist, wurde viel Lob des bekennenden Kommunalpolitikers Bernhard Reuter zuteil. Beide haben zusammen in Göttingen studiert. Nun soll Weil seine Fähigkeiten als Ministerpräsident unter Beweis stellen, die er als Oberbürgermeister und Stadtkämmerer erworben hat. Einen Rückblick auf die ersten Eichsfelder Aschermittwochs-Veranstaltungen vor über 20 Jahren wagte der frühere Europaabgeordnete Klaus Wettig. Früher konnte ein offenes Bekenntnis zur Sozialdemokratie im Eichsfeld schwerwiegende gesellschaftliche und berufliche Nachteile bedeuten, mahnte Wettig, der die Scheinheiligkeit der CDU in der Regionsdiskussion besonders aufs Korn nahm.

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