Präambel

Das Jahr der Kommunalwahlen 2026 ist geprägt von geopolitischen Veränderungen, wie wir sie in den acht Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg noch nicht erlebt haben. Es sind Veränderungen von Autokraten für Autokraten, die mittlerweile unmittelbar unser Leben betreffen, Unsicherheit bringen und vielen Menschen Angst um die Zukunft machen – auch in unserem Landkreis.

Kreispolitik heißt daher mehr denn je, auf die Menschen und deren Daseinsvorsorge so zu achten, dass alle verstehen, warum wir Verantwortung übernehmen wollen und warum wir dafür werben. Unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft muss sichtbar gestärkt werden. Unser Rechtsstaat ist dafür das Fundament.

Demokratiefeinde agieren nicht nur auf der großen Bühne – wir müssen auch in unserer direkten Umgebung achtsam sein.

Unser Ziel ist es, einzig das Gemeinwohl zu stärken und dies allen Menschen im Landkreis anhand der Ergebnisse unserer Arbeit vor ihrer Haustür zu vermitteln. Wir wollen die Menschen auf diesem Weg, wo immer es geht, mitnehmen.

Persönliche Eitelkeiten und Egoismen haben dabei keinen Platz. Wir bieten eine werteorientierte Politik, die auf der Höhe der Zeit ist. Dazu gehört auch die Herausforderung, notwendige Veränderungen anzunehmen und gleichzeitig allem zu widerstehen, was unsere freiheitliche Grundordnung gefährdet.

Unser Programm zeigt in vielen Bereichen der Daseinsvorsorge die zukünftigen Handlungsfelder auf. Wir wissen aber auch, dass wir uns in den kommenden Jahren neuen Themen stellen müssen. Das wollen und können wir.

Soziales, Gesundheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Sozialer Zusammenhalt ist die Grundlage für ein gutes Leben im Landkreis Göttingen. Deshalb werden wir soziale Beratungsangebote sichern und bedarfsgerecht ausbauen, insbesondere für Familien, Kinder, Jugendliche, Frauen und ältere Menschen.

Wir stärken den Kinder- und Gewaltschutz, bauen Schutz- und Beratungsangebote gegen häusliche und sexualisierte Gewalt aus und sichern Frauenhäuser sowie präventive Angebote verlässlich ab. Gleichzeitig werden wir die Antidiskriminierungsarbeit und die psychosozialen Hilfen weiterentwickeln.

Familienzentren wollen wir als niedrigschwellige Orte für Beratung, Begegnung und Unterstützung erhalten und besser mit weiteren sozialen Angeboten vernetzen. Die Strategie gegen Einsamkeit „Gemeinsam statt einsam“ werden wir konsequent umsetzen.

Inklusion verstehen wir als gesellschaftlichen Auftrag. Deshalb wollen wir Barrieren abbauen, verständliche Kommunikation stärken und bessere Übergänge von Schule in Ausbildung und Arbeit schaffen.

Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung brauchen verlässliche Perspektiven. Wir setzen uns für wohnortnahe Sprachkurse, Qualifizierungsmaßnahmen und integrationsfördernde Angebote ein. Die Volkshochschule als wichtiger Ort für Weiterbildung und Integration wird dabei weiter gestärkt.

Eine gute Gesundheitsversorgung gehört zur Daseinsvorsorge. Deshalb werden wir die ärztliche Versorgung insbesondere im ländlichen Raum sichern, unter anderem durch medizinische Versorgungszentren und mobile Angebote.

Bildung und Chancengleichheit

Bildung ist der Schlüssel zu sozialer Teilhabe und persönlicher Entwicklung. Unser Ziel ist eine starke Bildungslandschaft von der Kita bis zum Übergang in Ausbildung oder Studium.

Frühkindliche Bildung schafft Chancengleichheit. Deshalb setzen wir uns für eine auskömmliche Kita-Finanzierung, gute Sprachförderung und starke Integrationsangebote ein. Frühförderstellen und Familienzentren werden wir dauerhaft sichern.

Unsere Schulen stehen vor großen Herausforderungen. Deshalb werden wir Schulsozialarbeit weiter ausbauen, Gewaltprävention stärken und multiprofessionelle Teams fördern. Das Projekt „PuC“ wollen wir fortführen.

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung darf nicht zu einer Minimalversorgung führen. Wir setzen auf Qualität durch ausreichend Personal, geeignete Räume und gute pädagogische Konzepte.

Kinder und Jugendliche wachsen selbstverständlich mit digitalen Medien auf. Deshalb werden wir die Medienkompetenz stärken und Präventionsprogramme gegen Mobbing und Gewalt ausbauen.

Inklusion bleibt eine zentrale Aufgabe unserer Bildungspolitik. Barrierefreiheit in Kitas, Schulen und Lernumgebungen werden wir konsequent weiterentwickeln.

Wir stärken die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Betrieben, Universitäten, Hochschulen und Studienseminaren, fördern praxisnahe Berufsorientierung und sichern das Azubiticket. Gute Bildung braucht motiviertes Personal, moderne Lernorte und verlässliche Mobilität.

Mobilität, Wohnen und gleichwertige Lebensverhältnisse

Wir werden im gesamten Landkreis gleichwertige Lebensverhältnisse schaffen. Der Wohnort darf nicht über Chancen, Teilhabe und Lebensqualität entscheiden.

Mobilität ist Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Deshalb werden wir den öffentlichen Nahverkehr weiter ausbauen, die Taktungen verbessern und verlässliche Angebote im ländlichen Raum sichern. Das 5-Euro-Ticket war ein großer Erfolg sozialdemokratischer Politik. Daran wollen wir anknüpfen. Tariferhöhungen dürfen nur gemeinsam mit Angebotsverbesserungen erfolgen. Wir werden sicherstellen, dass die Zuschüsse des Landkreises für den ÖPNV nicht gesenkt, sondern in neue Angebote investiert werden.

Der Schülerverkehr muss zuverlässiger und komfortabler werden. Der Runde Tisch Schülerverkehr soll stärker in die Fahrplangestaltung eingebunden werden.

Wir stellen die notwendigen Mittel zur Verfügung, damit unsere Schülerinnen und Schüler jederzeit sicher zur Schule und wieder nach Hause gelangen können.

Junge Menschen müssen kulturelle Angebote auch abends sicher erreichen können. Deshalb werden wir das Angebot in den Abendstunden und an den Wochenenden im Landkreis ausbauen und uns für Nachtbusverbindungen zwischen den Städten und Gemeinden des Landkreises einsetzen.

Anruf-Sammel-Taxis, Anruf-Linien-Taxis sowie moderne individuelle Systeme werden wir ebenso sicherstellen und ausbauen.

Wir werden den Ausbau des Radwegenetzes konsequent fortführen. Grundlage bleibt der bestehende Masterplan Radverkehr. Kommunale Maßnahmen werden weiterhin durch den Landkreis unterstützt.

Bezahlbarer Wohnraum ist entscheidend für den sozialen Zusammenhalt. Deshalb werden wir den Kreiswohnungsbau stärken, Leerstände und Bestandsgebäude besser nutzen sowie Kommunen bei der Infrastruktur- und Wohnraumentwicklung stärker unterstützen. Gerade kleinere Gemeinden brauchen dabei verlässliche Unterstützung seitens des Landkreises.

Digitale Infrastruktur gehört heute zur Lebensqualität. Deshalb setzen wir uns für eine leistungsfähige Mobilfunk- und Breitbandversorgung im gesamten Landkreis ein.

Wirtschaft, Arbeit, Lebensqualität und Tourismus

Der Landkreis Göttingen wird ein starker Wirtschaftsstandort mit hoher Lebensqualität bleiben. Wir werden gute Arbeitsplätze sichern, regionale Wertschöpfung stärken und den Landkreis als gemeinsamen Lebens- und Wirtschaftsraum weiterentwickeln. Hierbei setzen wir auf eine starke Region von Göttingen über Duderstadt und Osterode bis nach Hann. Münden, Friedland und Bad Grund. Die Zusammenarbeit mit den Nachbarlandkreisen werden wir verstärken.

Die Verbünde der Südniedersachsenstiftung, der Life-Sciences-Initiative, der Wirtschaftsförderung Region Göttingen Northeim (WRGN) sowie unserer Universitäten und Hochschulen in Südniedersachsen sind ein Garant für die Entwicklung unserer Region und unserer Lebensqualität. Diese werden wir auch weiterhin unterstützen und fördern.

Dabei verstehen wir Lebensqualität als Zusammenspiel aus guter Infrastruktur, erreichbarer Gesundheitsversorgung, bezahlbarem Wohnen, Mobilität, Kultur, Bildung und wirtschaftlicher Stärke.

Besonders kleine und mittelständische Unternehmen sowie das Handwerk wollen wir stärken, unter anderem durch bessere Unterstützung bei Betriebsnachfolgen und einen leichteren Zugang zu bestehenden Förderangeboten. Die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen ist von entscheidender Bedeutung. Wir werden den Unternehmen Perspektiven bieten und dafür sorgen, dass sie sich in unserem Landkreis weiterhin gut aufgehoben fühlen.

Gewerbeflächen sollen verantwortungsvoll entwickelt werden. Dabei setzen wir auf nachhaltige Energieversorgung, hohe Umweltstandards und die Nutzung bestehender oder brachliegender Flächen vor zusätzlicher Ausweisung.

Die Gesundheitsregion Südniedersachsen bietet große Chancen für Innovation, Fachkräftesicherung und wirtschaftliche Entwicklung. Dieses Potenzial werden wir gezielt nutzen und die Gesundheitswirtschaft als Zukunftsbranche weiter stärken.

Unsere Heimat bietet große touristische Potenziale – vom Harz über das Weserbergland bis ins Eichsfeld. Einzigartige Natur, Burgen und Schlösser sowie vielfältige Möglichkeiten zum Wandern, Laufen und für den Fahrradtourismus machen den Landkreis Göttingen zu einer attraktiven Region.

Dieses Potenzial werden wir stärker nutzen, bestehende Tourismusstrategien weiterentwickeln und die Sichtbarkeit unserer Region erhöhen. Davon werden insbesondere kleinere Städte und Gemeinden profitieren. Tourismus kann Ortskerne beleben, die regionale Wirtschaft stärken und die Identität fördern.

Gerade der Landkreis Harz zeigt, welches Potenzial im Aktivtourismus liegt und wie erfolgreich eine klare touristische Strategie wirken kann. Daran wollen wir anknüpfen und eine moderne Tourismusstrategie für den gesamten Landkreis Göttingen entwickeln.

Ehrenamt, Sport und Kultur

Ehrenamt, Sport und Kultur stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt und machen unseren Landkreis lebenswert.

Wir werden kulturelle Angebote, Vereine und ehrenamtliches Engagement sichtbarer machen und den Zugang verbessern, insbesondere im ländlichen Raum. Dafür sollen moderne Informationsangebote geschaffen und Fördermöglichkeiten verständlicher kommuniziert werden.

Jugendzentren sind wichtige soziale Orte für Begegnung, Beteiligung und Unterstützung. Deshalb werden wir die Kinder- und Jugendarbeit gemeinsam mit freien Trägern weiter ausbauen.

Viele Sportstätten im Landkreis benötigen Investitionen. Deshalb werden wir Fördermittel von Bund und Land stärker nutzen und Kommunen sowie Vereine bei Modernisierungsvorhaben unterstützen.

Wir werden bestehende Kulturformate wie etwa „Kultur im Kreis“, die Kreuzgangkonzerte oder das Offene Atelier erhalten und weiterentwickeln.

Wir werden die freiwilligen Leistungen in der Kulturförderung für unsere Theater und kulturellen Einrichtungen in der Stadt Göttingen sowie in den Gemeinden des Landkreises dynamisieren, damit deren Zukunft gesichert bleibt.

Klima, Umwelt und nachhaltige Entwicklung

Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung sind zentrale Zukunftsaufgaben. Das bestehende Klimaschutzkonzept des Landkreises wollen wir konsequent weiterentwickeln.

Wir setzen uns für den Schutz der Artenvielfalt sowie den Erhalt unserer Natur, Umwelt und Schutzgebiete ein. Gleichzeitig werden wir den Ausbau erneuerbarer Energien gemeinsam mit den Gemeinden verantwortungsvoll voranbringen und die Ladeinfrastruktur an öffentlichen Gebäuden unterstützen. Diese Aufgaben müssen in enger Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Kommunen abgestimmt werden. Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Verfahren offen und transparent ablaufen. Ziel ist es, dass die Gemeinden und die Menschen im Landkreis direkt vom Ausbau erneuerbarer Energien profitieren.

Die Folgen des Klimawandels zeigen sich bereits heute in Form von Extremwetterereignissen, Hitzeperioden und Waldbränden. Deshalb müssen die Klimafolgenanpassung und der Katastrophenschutz stärker zusammengedacht und unbürokratisch umgesetzt werden.

Bevölkerungsschutz und Krisenvorsorge

Krisenfestigkeit gehört zu einer modernen öffentlichen Daseinsvorsorge. Der Landkreis Göttingen muss auf Naturkatastrophen, Stromausfälle, Pandemien und andere Krisen vorbereitet sein. Wir stellen deshalb sicher, dass sich die Menschen im Landkreis auf einen professionellen Katastrophenschutz verlassen können.

Politik muss verständlich, nachvollziehbar und überprüfbar bleiben. Gerade in Krisenzeiten brauchen Menschen Vertrauen in funktionierende staatliche Strukturen und klare Zuständigkeiten.

Dafür braucht es funktionierende Warnsysteme, klare Notfallpläne und verlässliche Kommunikationsstrukturen. Wir werden Sirenen und Warnsysteme weiter ausbauen.

In jeder Kommune sollen Notfalltreffpunkte entstehen, die im Krisenfall Orientierung und Unterstützung bieten. Besonders gefährdete Menschen müssen dabei gezielt berücksichtigt werden. Dabei bieten wir den Gemeinden Unterstützung an und verbessern die landkreiseigenen Strukturen. Eine bessere Vernetzung aller Beteiligten schützt dabei Leben und Lebensräume.

Krisen zeigen außerdem, wie wichtig regionale Versorgungssicherheit bei Lebensmitteln, Trinkwasser, Energie, Pflege und medizinischer Versorgung ist.

Freiwillige Feuerwehren und Hilfsorganisationen sind das Rückgrat unseres Bevölkerungsschutzes. Dieses ehrenamtliche Engagement wollen wir durch moderne Ausstattung, gute Ausbildung und verlässliche Unterstützung stärken. Gleichzeitig wollen wir mehr junge Menschen für den Bevölkerungsschutz gewinnen.