Lauterbach sieht Ruhe vor dem Sturm

Foto: Gerd Aschoff

Prof. Karl Lauterbach MdB

 

Der Gesundheitswesen in Deutschland steuert nach Ansicht des Experten Professor Karl Lauterbach auf große Herausforderungen zu. Auf einer Veranstaltung der SPD-Bundestagsfraktion im Schloss Herzberg verwies der Arzt und Ökonom auf eine Reihe von demografischen und technologischen Entwicklungen, auf die weder Krankenkassen noch Krankenhäuser und Ärzte ausreichend vorbereitet seien. „Wir haben die Ruhe vor dem Sturm. Es kommen große Herausforderungen auf das Gesundheitswesen zu.“

 

Die Menschen leben deutlich länger, selbst wenn sie mehrere chronische Erkrankungen erleiden. Krebserkrankungen lassen sich mittels neuer Medikamente aus der biologischen Forschung (Antikörper) sichtbar besser beherrschen und die Überlebensrate deutlich verbessern“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bundestag im vollbesetzten Rittersaal des Schlosses. Solche Behandlungen würden jedoch deutlich teurer als bisher und gingen mit einer deutlichen Veränderung der medizinischen Forschung, Ausbildung und Berufsausübung einher. Lauterbach: „Diese Kosten neuer Medizin muss unsere Gesellschaft schultern.“ Mittels zahlreicher Statistiken verwies der Lehrstuhlinhaber in Köln und Boston ausführlich auf den schon heute zu beobachtenden Trend zu immer weniger niedergelassenen Hausärzten.

Die Bilanz der ablaufenden Legislaturperiode im Bundestag bewertet Lauterbach durchaus positiv. So seien 19 gesundheitspolitische Gesetze verabschiedet worden, zwei stehen bis zum Herbst noch aus. „Bei allen Gesetzen ist die sozialdemokratische Handschrift gut erkennbar“, ist sich Lauterbach sicher. Die großen Themen jedoch „sind mit der Union nicht zu machen“. Dazu gehöre die Angleichung von privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen zur Bürgerversicherung und die Rückkehr zur echten Parität ohne Zusatzbeiträge. Gerade die hält Lauterbach für unverzichtbar, weil sonst die Versicherten allein die Kosten des medizinischen Fortschritts zu tragen hätten.

2017 LauterbachallFoto: Gerd Aschoff

Vor der Diskussionsrunde gab es für Doris Glahn, Prof. Karl Lauterbach, Thomas Oppermann, Klaus Posselt und Dr. Andreas Philippi eine kleine Einführung in die Schloss-Geschichte und die Renovierungsarbeiten von Rolf Lutze, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Herzberg (von links).

Einig war sich Lauterbach mit den Lokalmatadoren Dr. Andreas Philippi (Herzberg) und Doris Glahn (Duderstadt) darin, die stationäre Versorgung im ländlichen Raum zu sichern. Lauterbach, der zuvor in Begleitung des Wahlkreisabgeordneten Thomas Oppermann und der Landtagskandidatin Doris Glahn das St. Martini-Krankenhaus in Duderstadt besucht hatte, ordnete die breit diskutierten Qualitätsmängel nicht den Häusern in der Fläche zu, sondern denen, „die im Schatten großer Unikliniken um ihre Existenz ringen“. Philippi, selbst praktizierender Facharzt: „Wir müssen den Krankenhäusern in der Fläche die Möglichkeiten geben, sich ausreichend zu entwickeln und für die Zukunft aufzustellen.“ Die Sicherstellungszuschläge im Abrechnungssystem seien keine Almosen, sondern dringend erforderliche Erfolgsprämien.

Oppermann will Bundesmittel für Schloss-Sanierung

Eine gute Nachricht für die Region hatte bereits zu Beginn der Veranstaltung Thomas Oppermann parat. Nach einer kurzen Schlossführung kündigte der Wahlkreisabgeordnete an, sich mit Nachdruck dafür einzusetzen, für die Sanierung des Herzberger Schlosses Bundesmittel in Millionenhöhe bereitszustellen. Oppermann: „Die Landesmittel reichen nicht aus, die überregionale Bedeutung des Schlosses abzubilden. Deshalb ist hier auch der Bund in der Pflicht.“ Dieser Aussage stimmte Prof. Karl Lauterbach ohne Einschränkung zu: „Auf meine Unterstützung kann Thomas Oppermann bauen.“ (gaf)

 


Kommentar schreiben

Netiquette
 

Spamschutz

Senden
 

Netiquette

Schließen
 

Unsere Internetseite soll eine Plattform für ernsthafte Diskussionen sein, bei dem Toleranz, Offenheit und Fairness zu den Grundprinzipien gehören. Wir begrüßen sachliche und konstruktive Inhalte, die zu einer angeregten Diskussion beitragen und der Meinung anderer Kommentatoren tolerant und unvoreingenommen begegnen. Wird gegen diese Grundprinzipien verstoßen, kann dies zur Löschung von Kommentaren führen.

Um bei uns zu kommentieren muss die eigene E-Mail-Adresse angegeben werden. Selbstverständlich wird diese E-Mail-Adresse nicht veröffentlicht und auch nicht an Dritte weitergegeben. Die Angabe einer falschen E-Mail-Adresse ist ein Verstoß gegen unsere Nutzungsbedingungen. Wir machen daher Stichproben, die dann zur Löschung von Kommentaren führen können. Mit Absenden des Formulars werden unsere Nutzungsbedingungen anerkannt.